Mit den Fingerspitzen den Himmel berühren: Eine Dolomiten Hüttenwanderung in Bildern

Von Hütte zu Hütte im Rosengartenmassiv – ein Abenteuer das man nicht mehr so schnell vergisst.

Als Südtirolerin war es schon immer etwas peinlich zuzugeben noch nie im Rosengartengebiet wandern gewesen zu sein, vor allem wenn man sonst schon die halbe Welt abkutschiert hat. Genau deshalb hat die Oktotussi diese Woche die Gelegenheit des Heimat-Besuchs am Schopf gepackt, zwei Freunde eingepackt und sich zu einer viertägigen Dolomiten Hüttenwanderung in die unbekannte Welt aufgemacht.

Planung der Route

Schnell wurde klar, es gibt unendlich viele verschiedene Möglichkeiten die Berge zu besteigen. Besonders wenn man mehrere Tage im Hochland bleiben will, ergibt sich eine große Variation an Hütten- und Weg- Kombinationen, deren Ausstattung bzw Schwierigkeitsgrad gut abgewägt werden soll.

Unser Ziel war es eine nicht zu schwierige Route zu finden, die wir mit unseren schweren Rucksäcken leicht bestreiten können. Wieso schwere Rucksäcke..? Naja, da wir alle kaum Geld auf dem Konto haben und beim Reisen e immer schon sehr minimalistisch waren, stand von vornherein fest, dass das Essen für die kommenden vier Tage mitgeschleppt wird. Und wer Nahrung mitnimmt, darf den Campingkocher, die Töpfe und die Kaffeemaschine auch nicht zuhause lassen 🙂 .

Voraussetzung Nummer eins für unsere Route war also zunächst mal die Schaffbarkeit mit den großen Rucksäcken für zwar junge, dennoch aber eher unerfahrene und untrainierte Bergsteiger. Weiters, als zweite Voraussetzung, galt für uns, dass ein kleiner Teil der Route am Klettersteig bestritten werden kann. Dieses alpine Abenteuer wollten wir uns nämlich auf keinem Fall entgehen lassen. Als absolute Neulinge im *Klettersteigen* sollte der Schwierigkeitsgrad aber sehr niedrig sein.

Nach vier Stunden planen stand die Route fest

Tag 1 > Anfahrt nach St. Zyprian im Tierser Tal von Bozen aus mit dem Bus und dann Aufstieg von hier bis zur Grasleitenhütte, wo übernachtet wird.

Tag 2 > Wecker stellen um 4 Uhr morgens um den Sonnenaufgang um 6:00 Uhr am Molignonpass nicht zu verpassen. Anschließend von hier aus wieder ein Stück zurück um dann zur Grasleitenpasshütte hochzusteigen. Schließlich weiter zur Antermoiahütte  wandern, wo übernachtet wird.

Tag 3 > Vom Rifugio Antermoia aus weiter durch die Berglandschaft über den Passo di Lausa und den Passo delle Scalette. Dann Abstieg über einen gesichterten Weg zum Rifugio Gardeccia, wo übernachtet wird.

Tag 4 > Vom Rifugio Gardeccia aus zum Rifugio Ciampedié, dann wieder hochsteigen zum Rifugio Roda di Vael (Rotwandhütte). Anschließend auf der anderen Seite absteigen zum Karerpass. Von hier gibt es Busse, die wieder nach Bozen fahren.

Die Wanderung

Nur wenige Kilometer vom Zuhause entfernt entdeckten wir Landschaften fernab von allem Bekannten. An Tag 3 der Wanderung trafen wir auf nur 3 Menschen. Das Gefühl durch die Weiten eines fremden Planeten zu streifen und auf der Suche nach fruchtbaren Land und Wasser zu sein, kam auf.

Selten habe ich eine schneller wechselnde Witterung beobachtet. Im einen Moment beschien uns noch die wärmende Sonne, im nächsten waren wir von Nebelschwaden umwickelt und schnell zogen wir wieder unsere Pullovers über. Neben Sonne und Nebel sollten wir im Laufe der Expedition auch noch auf Wind, Regen und sogar Hagel treffen. So sehr wir vom Bass der Hagelkörner auf unseren Helmen geträumt hatten, war er schließlich da, wir hätten ihn gern sofort wieder verabschiedet. Gewitter in den Bergen sind furchteinflößend. Triefend nass fanden wir Unterschlupf unter einem Felsvorsprung und beschlossen das nächste mal zumindest eine Rettungspfeife dabei zu haben.

Die Expedition führte uns vom Dorf St-Zyprian hinauf in eine wundersame, ruhige, weiße Welt aus Stein. Nur wenig Leben hat es bis hierher geschafft, vereinzelte bunte Blumen,  hin und wieder ein Büschel Gras und kleine Schnecken fielen ins Blickfeld. Von Weitem hörte man manchmal ein Murmeltier pfeifen.

An Tag 2, nach der Überschreitung des Grasleitenpass, erschloss sich uns die Sicht auf einen nebelumwobenen Koloss: der Kesselkogel, höchster Berg des Rosengarten-Gebirgszugs. Da es erst halb elf Uhr vormittags war und wir sowieso  Klettersteigausrüstungen dabei hatten, beschlossen wir spontan uns den Weg zum nächsten Schlafplatz schwieriger, aber auch spannender, als geplant zu gestalten und starteten statt der Kesselkogel Umrundung seine Überschreitung.

Die Kesselkogel Besteigung: Höhepunkt unserer Dolomiten Hüttenwanderung

Nochmals würden wir wohl nicht mit unseren großen Rucksäcken und minimalen Kenntnissen bei einer unsicheren Witterung diese Besteigung starten. Doch die wunderbaren Ausblicke und das hautnahe Bergerlebnis waren jede Gefahr in den ausgesetzten Stellen wert! Wieso man sich das Drahtseil hier an einigen Stellen gespart hat, ist uns bis heute unklar.. Vor allem der Start an der Grasleitenpasshütte und das letzte Stück zum Gipfelkreuz über den Grad hinweg erfordert auf jeden Fall Schwindelfreiheit und eine ordentliche Portion Mut.

Rückkehr in die Zivilisation

Trotz Totalnässe und Gewitter-Schock vom Vortag konnten wir aufgrund des Kleidertrockenraums der Gardecciahütte (übrigens ein Service aller besuchten Berghütten 😉 ) am letzten Tag trocken und fröhlich weiterwandern. Unsere letzten Kilometer führten hauptsächlich über Almen und durch Wälder. Es war ein gemütlicher Ausklang unserer Expedition.

Tief erfüllt vom Glück der Berge fanden unsere von der Höhenluft regelrecht berauschten, lustigen Gemüter ihren Weg zurück in die Stadt.  Hier war alles wie vorher. Es dauerte nicht zwei Stunden, dass wir schon wieder erste bekannte Gesichter trafen und schon waren wir wieder drinnen im schnellen Leben, in Gesprächen über Arbeit, Studium, Pläne und Weltgeschehen. Doch die Blase in der wir uns erholt hatten, kann uns nichts mehr nehmen! Wir hatten an diesem Tag auf jeden Fall den größten Grinser 🙂

Da Bilder aber bekanntlich mehr als tausend Worte sagen, hier eine kleine Auswahl der Aufnahmen aus unserer Dolomiten Hüttenwanderung.

Natürlich kann sich hier gern jeder melden der Fragen zu Organisation, Vorbereitung oder was auch immer sonst hat.

Da es wahrscheinlich die meisten interessieren wird, hier nur noch kurz die Kostenauflistung 😉 :

  • Essen: 20 Euro (aber alles mitgeschleppt)/Person + eine große Gaskartusche
  • Schlafen: 20+25+27 Euro (als AVS Mitglied hätte man in den ersten beiden Hütten nur die Hälfte bezahlt). Preise vom Bettenlager.
  • Trinken: 8 große Radler + 1 Cappuccino verteilt auf die 4 Tage: ca 40 Euro ( TEUER!)
  • Bus von/nach Bozen: ca 10 Euro

Bis bald meine liebsten Oktonauten!!

♥ Oktokussi ♥

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> Bist du auch schon mal von Hütte zu Hütte gewandert? Wenn ja, dann berichte der Oktotussi doch von deinem Abenteuer in einem Kommentar!! Gern auch mit Link zu deinem Erfahrungsbericht 🙂 .

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