Der Adamello-Brenta Naturpark: Drei Tage im Land der Bären

Adamello

Nach Okotussis Hüttenwanderung im Rosengarten-Gebiet in den Dolomiten stand fest, es schreit nach Wiederholung und zwar so schnell wie möglich 🙂 ! Das Gefühl von Freiheit im imposanten Gebirge hat sich tief ins Herz gebrannt und scheint eine neue Sucht ausgelöst zu haben: Die Sucht nach Bergluft! Ganze zwei Wochen dauerte es schließlich bis die Rucksäcke wieder gepackt, die Stadt wieder hinter sich gelassen und ein neues Abenteuer in Angriff genommen werden konnte. Es ging ins Trentino in den Adamello-Brenta Naturpark und dieses mal mit mi Amor! 🙂

Planung der Tour in den Adamello-Brenta Naturpark

Die Gründe für die Auswahl des Adamello-Brenta-Naturparks für unsere nächste Tour waren simpel: Erstens, es war der einzige Ort in den österreichischen und italienischen Alpen in dem für unsere Urlaubstage mehr oder weniger schönes Wetter vorausgesagt wurde. Und zweitens, wir waren hier noch nie, und die wenigen Fotos, die wir online vom Park fanden, ließen Naturfreund-Herzen höher schlagen.

In die Tourenplanung selbst steckten wir wenig Zeit und suchten einfach eine kommerzielle Tour heraus, die wir beschlossen nachzugehen. Es sollte eine dreitägige Seenwanderung werden, mit Start in Pinzolo und Ziel in Madonna di Campiglio.

Aufbruch in den Park

Nach einer nicht zu anstrengenden Reise mit dem Zug bis nach Trient und einer anschließenden Busfahrt von dort bis nach Pinzolo, waren wir endlich in der Natur angekommen. Voller Elan startete, nach einigen Anfangsschwierigkeiten und dem Zurückwandern nach Caderzone, eine Ortschaft vor Pinzolo, der Aufstieg. Dieser gestaltete sich als anstrengender als gedacht. Gefühlt senkrecht führte der Weg vom Tal durch den Wald gen Berg. Unser lautes Schnaufen konnte man wohl bis nach Südtirol hören 😉 .

Drei Stunden, viel Anstrengung und eine ordentliche Dusche von oben später lichtete sich der Wald ein bisschen und es ging zum ersten Mal durch etwas abwechslungsreicheres Gelände. Der Weg querte einige Lichtungen, an den Wegesrändern konnte man Himbeeren und Blaubeeren abstauben. Der Nebel, der mit den Regenwolken angekrochen gekommen war, verzog sich langsam wieder in höhere Gefilde. Juhu, es waren wieder Scherze drinnen ohne dass man gleich die Puste verliert 🙂 . Wir lachten und fütterten uns gegenseitig mit unseren süßen Begleitern. Langsam kam echte Wanderstimmung auf! So schön, dass mein Freund sich begeistern ließ mit mir so eine Tour zu starten 🙂 .

Gücklich bogen wir um die Kurve und mit unserem neuen Ausblick, verschlug es uns glatt den Atem. Wir standen vor einem wunderschönen, glasklaren See. Er lag da vor einer gewaltigen Felswand, von Felsbrocken umzingelt, im üppigen Grün der Trentiner Vegetation. Zahlreiche Blumen haben sich das schöne Plätzchen zum Gedeihen ausgesucht und gaben dem Anblick noch eine zusätzliche bunte Note. Einfach nur wow!! Zu allem Überfluss brach genau jetzt die Sonne wieder durchs Wolkenmeer und brachte den See zum azurblauen Leuchten. Wir machten Halt, genossen den Ausblick und fanden plötzlich, die Anstrengungen hier rauf waren doch nicht so groß!

In unserer ersten Unterkunft, dem Rifugio San Giuliano, kam es dann zu einer unerwarteten Überraschung. Man erklärte uns, dass die Tour, die wir geplant hatten, ohne Transport an Tag 2 nicht durchführbar wäre.. Aber kommt, jetzt mal ehrlich, wer hat schon Lust auf Taxifahren inmitten im Naturerlebnis? Lächerlich! Und Leute zahlen für die kommerzielle Tour 450 Euro. Schnell stand fest, dass eine Planänderung anstand. Aber nicht jetzt, jetzt hatten wir keine Lust mehr zu planen. Erst mal essen, zur Ruhe kommen, genießen! 🙂

Pläne sind da, um geändert zu werden!

Die neue Route besprachen wir mit den einzigen beiden Menschen, die wir an unserem zweiten Wandertag unterwegs trafen. Sie standen zusammen mit Pedro, einem Klocker von Rasta-Hirtenhund und so ziemlich das tollpatschigste Ding auf vier Pfoten, das ich jemals gesehen habe, vor einer unbewirteten Almhütte. Die beiden schickten uns vom Tal wieder auf den Berg. Wunderschön soll es da oben sein, vor allem frühmorgens, zum Sonnenaufgang, werden wir es lieben, sagen sie. Gesagt, getan. Wir vertrauen den beiden herzlichen Männern und starten wieder den Anstieg. Also wird es wohl doch eine Berg- und keine See-Tour 🙂 .

Von, vom Tau in der Morgensonne glänzenden, Almen und lichtdurchfluteten Wäldern führte uns unser Weg nun über einen Pass in ein vernebeltes, steiniges Land mit Aussichten auf vergletscherte Bergspitzen. Riesige Felsbrocken legten sich uns in den Weg und gestalteten das Weiterkommen anstrengender als gedacht. Hin und wieder machten wir Halt, mal für Kaffee, mal für einen Schluck aus dem Flachmann. Was waren wir Simons Opa dankbar dafür!

Im Hochplateau angekommen galt es einen reißenden Gletscherbach über zwei Drahtseile, eines zum Draufsteigen und eines zum Festhalten, zu überqueren. Der Puls ging hoch. Alles ging gut. Der Nieselregen der vor etwa einer halben Stunde eingesetzt hatte, wurde stärker und von oben grollte der Himmel bedrohlich.. Ließ man seinen Blick zum Pass, den wir vor etwa zwei Sunden überquert hatten, streifen, sah man ihn in rötlich-gelb-graues Licht gebettet. Inmitten dieser lebensfeindlichen Umgebung stieg eine magische Stimmung aus dem nebligen Wolkenmeer vom Tal zum Horizont hinauf. Aber genug getrödelt und Fotos geschossen, es war Zeit unsere nächste Unterkunft zu erreichen. Weit konnte sie nicht mehr sein.

Das Gewitter blieb uns erspart. Unter nur leichtem Tröpfeln und kurz vor Einbruch der Nacht stiegen wir die letzten paar Meter zu unserem zweiten Quartier, dem Rifugio Caré Alto, auf. Überglücklich, aber mindestens genauso erschöpft, ließen wir uns ausnahmsweise auf der Hütte verköstigen. Zu kalt, dunkel, windig und feucht erschien es uns draußen um sich noch ein gemütliches Abendmahl zu bereiten. Und hin und wieder soll man sich ja auch was gönnen 😉 .

Imposanter als gedacht startete unser letzter Tag um fünf Uhr morgens. Die Sonne durchbrach die Nacht um viertel vor sechs nach einem Vorspiel von Meisterklasse. Der klare Himmel, mit kleinen Wölkchen und einigen vorbeiziehenden Frühnebelschwaden gespickt, erstrahlte im Zeitraum des einstündigen Naturspektakels in allen Farben, die zu einem außerordentlich beeidruckenden Sonnenaufgang dazu gehören. Im Tal hingen derweil Wolken, da bekam man wohl nichts von all dem mit.

Eine wunderschöne Zeit war es gewesen! Weit weg vom Alltag, von Straßenlärm und Menschenmassen. Mit Ausnahme der wenigen Gäste in den Berghütten hatten wir, trotz absoluter Hochsaison in Italien, nur vier Menschen in den letzten beiden Tagen getroffen. Wahnsinn, wie verlassen und unberührt hier alles war. Die einzigen beiden Unterkünfte, auf die wir in all den Stunden, die wir hier gewandert waren, getroffen sind, waren die in denen wir Unterschlupf gefunden haben.

Unsere Wanderung hatte uns zu drei Seen, über zwei Pässe und einer Gletscherzunge greifbar nahe gebracht. Vor allem hat sie aber auch uns, mich und meinen Freund, näher gebracht. Gemeinsam haben wir die Höhen und Tiefen, die jede längere Wanderung mit sich trägt, gemeistert! Wir haben uns in verlassenen Tälern gigantische Party-Luftschlösser erträumt und in Gedanken mit den Brenta-Bären getanzt. Wir haben mit dem Berg Freundschaft geschlossen und ihn zur Party eingeladen 🙂 .

Neben verrückten Gesprächen, die uns langsam an den Höhenrausch glauben ließen, kamen wir aber auch auf einige andere schöne Gedanken. Wie toll wäre es für ein Jahr oder zwei mal eine Berghütte zu übernehmen!? Das Know How hätten wir zwei alten Gastro-Hasen ja. In Peru wärs schön! Dann können die Latinos endlich mal Knödel kosten 🙂 .

Im Rifugio San Giuliano kamen Jugenderinnerungen hoch, als wir heimlich unsere Betten zusammen schoben 🙂 .

Ein schöner Urlaub wars!!

Voller neuer Eindrücke starteten wir den steilen Abstieg. Es lag noch ein anstrengender Tag vor uns. Falls wir im Tal keine Mitfahrgelegenheit finden sollten, müssten wir noch so einige Kilometer zufuß zum Bus. Wir hatten Glück! Die sonst von Trampern nicht so begeisterten Italiener nahmen uns alle sofort mit. Noch vier verschiedene Fahrer sollten wir haben bis wir in den Bus nach Trient einsteigen. Aber, ehrlich, nach so einer schönen Tour wärs auch okay gewesen zufuß zu gehen, selbst wenn die Füße schmerzten.

Jetzt noch ein paar Fotos von unserer Tour im Adamello-Brenta-Naturpark, damit alle, die nicht selbst hinfahren können, sich von der Couch aus wegträumen können 😉 :

Kosten

Für alle, die es jetzt total vom Hocker gehauen hat und die nächstes Wochenende  auch ins Adamello-Gebiet aufbrechen wollen, hier noch eine kurze Kostenauflistung:

  1. Übernachtungen > Rifugio San Giuliano: 24 Euro, Rifugio Caré Alto: 20 Euro, ohne Alpenvereinmitgliedschaft, mit eigenen Hüttenschlafsäcken, pro Person. Im Rifugio San Giuliano hatten wir ein eigenes Zimmer mit Bad und Dusche! Im Rifugio Caré Alto schliefen wir im  komfortablen Schlaflager, Dusche: 4 Euro.
  2. Essen > Einkauf hat pro Kopf 25 Euro gekostet. Wir hatten reichlich Essen für 3 Tage dabei! Im Rifugio Caré Alto: 7 Euro für Pasta mit Tomatensauce, 7 Euro für Frühstück
  3. Trinken > 3 Radler insgesamt: 12 Euro + 2 Cappuccino 4,40 Euro
  4. Anfahrt > von Trient hin und zurück etwa 10 Euro pro Person

Mich haben die drei Tage also circa 110 Euro gekostet! Tüdldüü, das kann man sich leisten 😉 .

Das wars für heute und in diesem Sinne meine Lieben,

♥ Oktokussi von der Oktotussi ♥

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12 Comments
  1. Die Fotos machen Lust da hinzugehen. Vorallem weil die Dolomiten und Italien aus der Schweiz mit dem Auto schnell erreichbar sind. Echt cool 🙂 Und dieses Grün – grosse Liebe.

    1. Zwar waren wir hier nicht mehr in den Dolomiten, aber schön war es mindestens genauso wie dort!! Du hast Lust selbst mal ins Adamello-Gebiet zu fahren? Na dann los! 🙂 In dem verlassenen Naturpark würden sich sicher alle über Besuch aus der Schweiz freuen. 🙂

  2. Klingt nach einem tollen Abenteuer. Am besten gefällt mir die Stelle am reißenden Gletscherbach mit den zwei Drahtseilen. Da wäre mir auch mächtig die Pumpe gegangen #AdrenalinPur

  3. Hallo Oktotussi,
    angesteckt! Da will ich auch hin. Meinst Du man kann dort im April schon Wandern? Wann warst du denn dort?
    Tolle Fotos übrigens.
    Ein anderer heißer Tipp für einen italienischen Naturpark ist Monti Sibillini bei Norcia in Umbrien. Die Hochebene dort ist ein Traum.

    1. Heyy Carolin!! Uiui, ich glaub April ist noch abisserl früh..! Der erste Teil der Tour wär ja vielleicht noch möglich, aber das Rifugio Caré Alto (also unsre Unterkunft an Tag 2) öffnet erst am 20. Juni wieder. Man darf nicht vergessen, der Adamello ist ein Gletscher 😉 . Zum Monti Sibillini > Vielen lieben Dank für deinen Tipp! Werde mir den Naturpark auf jeden Fall mal anschauen! Hab davon noch nie gehört… Hast du im Park auch übernachtet?

  4. Hätte ich nicht gedacht, dass das so preiswert ist und mir kribbelts auch schon direkt unter den Füßen. Leider hab ich keinen Partner für solche Unternehmungen. Gibt es dort auch geführte Touren? Dann kann ich mir das auch gut vorstellen. LG :)Inga

    1. Liebe Inga!! 🙂 Ich habe im Rifugio Alto Caré Flyer von geführten Touren gesehen. Auf einem davon wurde genau dieselbe Route wie die unsere, nur halt mit Gruppe, angeboten. Sofern ich mich erinnern kann, war es eine vom Alpenverein organisierte Tour, weshalb ich dir raten würde, mich mal dort zu erkundigen. Falls du es ins Trentino schaffen solltest, dann grüß mir bitte die Bären 😉 .

  5. Hi Oktotussi,

    danke für den schönen Wanderbericht.

    Nun kenne ich die Alpen selbst schon recht gut und mein Wanderwohnzimmer, das Tessin, ist auch nicht soweit weg von der Brenta/Adamello-Gruppe – dennoch habe ich es noch nie dorthin geschafft. Danke also für diese gelungene Einführung und das Miterleben Eurer Tage.

    Soweit ich weiss, kann man in der Brenta auch sehr gut Klettersteige begehen, da wartet also ein in der Tat lohnenswertes und vielseitiges Ziel.

    Schöne Fotos!

    Fussige Grüsse von LangsamMacher Jana

    1. Hey Jana 😀 Oh ja, das stimmt, da warten jede Menge Hammer Klettersteige!! Kanns e schon kaum erwarten, mich mal auf einen zu begeben 🙂 . Kletterst du auch? Oktotkussi :*

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