Huflattich – Ist er nun schädlich oder nicht?

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Huflattich

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Beim Huflattich scheiden sich die Geister. Während die einen es als ungerechtfertigt empfinden, dass er in Verruf geraten ist, sind andere froh, über seine gesundheitsschädigende Eigenschaft Bescheid zu wissen.

Huflattich ist eine Pflanze, die man immer schon bei Atemwegsinfekten unterschiedlichster Art einsetzte. Sie soll nicht nur bei einfachen Erkältungen, sondern auch bei chronischer Bronchitis und bei Staublungenkrankheit helfen.

Bedeutende Heiler wie der Militärarzt Dioskurides, der Naturforscher Plinius und die Klostermedizinerin Hildegard von Bingen setzten die Pflanze, die bereits in der Antike zu den Heilkräutern gehörte, in ihren Therapien ein. Dabei gab man sie in Form von Tees oder Rauchmischungen an den Patienten. Die Wirkung war so stark, dass man das Kraut nach dieser benannte. Tussilago kommt vom lateinischen *tussis ago*, was so viel bedeutet wie: Ich vertreibe den Husten.

Noch heute gilt, dass die Pflanze eines der besten natürlichen Hustenmittel wäre. Dies hat sie ihrem speziellen Wirkstoffprofil zu verdanken. Enthaltene Gerbstoffe binden sich an die Oberfläche der Schleimhäute. Die entstehende Barriere hindert Bakterien vor dem Eintritt in geschwächte Areale. Es kommt zur Entzündungshemmung. Zusätzlich enthaltene saure Polysaccharide legen sich schließlich wie ein Film über die gegerbte Haut und senken so den Hustenreiz.

Doch das Kraut wird mittlerweile kaum mehr angewandt. Wieso überhaupt?

Das Ende des Hustenkrautes

Bis in die Neuzeit geriet die Wirkung des Huflattichs nicht in Vergessenheit. Im Gegenteil, das Kraut genoss hohes Ansehen. Doch 1994 kam es in Österreich zu einem abrupten Ende. Es wurden Tests veröffentlich, in denen man nachwies, dass die in der Pflanze enthaltenen Alkaloide, die sogenannten Pyrrolizidinalkaloide, krebserregend und leberschädigend sind. Von einem Tag auf den anderen verschwanden die Huflattichprodukte nicht nur aus den Regalen der Drogeriemärkte, sondern auch aus denen der Apotheken.

In Deutschland kam der Huflattich glimpflicher davon, dennoch gab es auch hier einige Neuerungen. Seit der Veröffentlichung der Studienergebnisse durften Produkte aus dem Kraut nur mehr in der Apotheke verkauft werden. Wieso dort und nicht im normalen Handel? Das hat einen guten Grund. Es wurden strenge Grenzwerte für enthaltene Pyrrolizidinalkaloide eingeführt, die von Produkten nicht überschritten werden dürfen. Die Pharmakonzerne müssen also ihren Produkten technisch die Giftstoffe bis zu einem gewissen Restgehalt entziehen. Die Rolle der Apotheken ist es zu garantieren, dass diese Maximalgrenzwerte auch eingehalten werden.

Renaissance von Huflattich?

Mit neuen Methoden haben Forscher es nun geschafft pyrrolizidinalkaloidfreie Huflattichsorten zu züchten. Produkte daraus sind unschädlich und auch der Ausgangsstoff, die Pflanze selbst. Zwar ist noch nichts dergleichen in Vertrieb, aber eine baldige Zulassung wäre theoretisch möglich. Wer weiß, vielleicht können wir beim nächsten Husten schon bedenkenlos Huflattichtee trinken!

Kann ich Huflattich wild sammeln?

Eigentlich sollte aufgrund der Studienlage keiner mehr wilden Huflattich sammeln. Es ist ja nicht so, dass es keine Alternativen gebe! Da das Selbersammeln aber auch nicht verboten ist, doch noch ein paar Infos:

  1. Man sollte auf keinem Fall die alkaloidreichen Blüten verwenden, sondern die wesentlich weniger schädlichen Blätter der Pflanze.
  2. Die Blätter wachsen erst nachdem die Blüten verschwunden sind. Sie ähneln den Blättern von Pestwurz. Am besten nur an Stellen sammeln, wo man im März bereits Huflattichblüten entdeckt hat.
  3. Der Pyrrolizidinalkaloidgehalt der Pflanze schwankt extrem. Es gibt Exemplare, die 1000 Mal mehr davon enthalten, als andere.
  4. Man sollte nur in Notfällen auf Huflattich zurückgreifen.
  5. Für Säuglinge, Kinder und Menschen mit Leberproblemen ist wilder Huflattich nichts.

Wie argumentieren Menschen, die noch Huflattich zu sich nehmen?

Viele Naturheilkundeliebhaber argumentieren damit, dass Huflattich schon immer ein Heilkraut war. Wenn es so schädlich sein soll, dann hätte man dies schon früher gemerkt.

Außerdem ist eine häufige Meinung, dass die wissenschaftlichen Tests mit den aus Huflattich isolierten Pyrrolizidinalkaloiden mit verhältnismäßig viel zu hohen Konzentrationen durchgeführt worden sind.

Tja, was man nun glaubt, muss jeder selbst entscheiden!

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PPS >> Titelbild von AJo, gefunden bei Pixabay.

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