Thymian – Das Antibiotikum der armen Leute

Thymus vulgaris

Thymian wird seit der Antike in der Küche und als Medizin verwendet. Das Gewürz wirkt vor allem bei Problemen des Atmungstraktes. Nicht nur Erkältete, sondern auch an Bronchitis und Keuchhusten Erkrankte können von einer therapie profitieren.

Im Jahr 2006 wurde Gartenthymian (Thymus vulgaris, Echter Thymian oder Römischer Quendel) zur Arzneipflanze des Jahres gekürt. Das hat einen guten Grund. Das beliebte Küchenkraut hat sich über Jahrhunderte in der Therapie von Schleimhautentzündungen der oberen Luftwege bewährt. Man nannte den Thymian früher sogar Antibiotikum der armen Leute. Welche Inhaltsstoffe des Gewürzes für seine Wirkung verantwortlich sind, wie genau der Thymian wirkt und welche Anwendungen möglich sind, erfahrt ihr heute! 

Wichtig!! Gartenthymian ist nicht Arznei-Thymian, wie der in Mitteleuropa wilde Thymian auch genannt wird. Andere Namen für Arznei-Thymian sind Quendel, Gemeiner Thymian, Breitblättriger Thymian, Gewöhnlicher Thymian oder in Latein Thymus pulegioides. Auch mit anderen Thymian-Arten sollte man Thymus vulgaris nicht verwechseln. Lediglich die spanische Art Thymus zygis hat eine vergleichbare Wirkung. 

Dies ist der zweite Artikel unserer Gewürzreihe. Letzte Woche haben wir bereits über den Rosmarin und seine heilende Wirkung gesprochen. Wisst ihr wozu man ein Rosmarinbad nimmt? Und wer von einer Rosmarin-Aromatherapie profitiert? Wer neugierig ist, kommt hier zum Artikel. 

Das Ätherische Öl des Echten Thymians

Gartenthymian

Gartenthymian ist eine Ätherisch Öl – Droge, was bedeutet, dass die Hauptwirkung des Krautes vom enthaltenen Ätherischen Öl ausgeht. Der größte Anteil davon besteht aus den zwei Komponenten Thymol und Carvacrol. Außerdem sind noch Paracymen, Gammaterpinen und einige weniger bedeutende Stoffe enthalten. 

Abhängig von der Genetik und den klimatischen Bedingungen an seinem Wuchsort gedeihen sechs verschiedene Chemotypen des Echten Thymians. Jeder Chemotyp hat eine andere Inhaltsstoffzusammensetzung im Ätherischen Öl. Bezeichnet werden die Chemotypen nach dem am häufigsten oder charakteristischsten Stoff im Ätherischen Öl, z.B. Thymol-Chemotyp oder Carvacrol-Chemotyp. Auf qualitativ hochwertigen Ölen im Handel ist angegeben, um welchen Chemotyp es sich handelt. Die Öle haben unterschiedliche Wirkungen. 

Thymol ist der wirkungsvollste Inhaltsstoff im Ätherischen Öl von Thymian. Es wirkt krampflösend, schmerzlindernd, antiviral und zusammen mit Carvacrol entzündungshemmend und stark antibakteriell. 

Aufgrund der krampflösenden Wirkung von Thymol wird Thymian erfolgreich zur Linderung von trockenem Reizhusten (Raucherhusten, COPD, Keuchhusten) eingesetzt. 

Bei schleimigen Husten rückt die schmerzlindernde Eigenschaft von Thymol in den Vordergrund. Es kommt zur Förderung des Hustens, da der Patient diesen nicht aufgrund von entzündungsbedingten Schmerzen unterdrückt. Gleichzeitig sorgt ätherisches Thymianöl in den Bronchien dafür, dass mehr Interziliarflüssigkeit abgegeben wird. Zilien sind kleine Härchen in unserem Atmungstrakt, die Schleim und Schadstoffe nach draußen/oben befördern und auf diese Art und Weise wie eine Putzkolonne fungieren. Bei einer Bronchitis können sie so verschleimt sein, dass ihre Funktion beeinträchtigt ist. Durch die Flüssigkeit, die unter den Schleim abgegeben wird, kann der Schleim sich lösen. Thymianöl wirkt so entzündungslindernd und langfristig hustenstillend. 

Thymianöl eignet sich zur Behandlung von Schleimhautentzündungen der oberen Luftwege und von Symptomen der Bronchitis und des Keuchhustens. Die Indikationen wurden von der Komission E wissenschaftlich bestätigt.

Das reine Ätherische Öl kann zu Erkältungssalben verarbeitet werden. Eine Anwendung pur ist eher ungewöhnlich, da das Öl hautreizend ist.

Thymianöl ist stark antibakteriell und wird daher auch gern in der Bekämpfung von Hautunreinheiten eingesetzt. Wer am Rezept für eine wärmende, beruhigende und hautreinigende Maske aus Hafermehl, Tonerde und Thymianöl interessiert ist, findet dieses hier

Achtung: Säuglinge und Kleinkinder bis zu 10 Jahren sollten besser nicht mit Thymianöl in Kontakt kommen. Sie könnten dadurch einen lebensgefährlichen Stimmritzenkrampf erleiden. 

Andere Inhaltsstoffe von Thymian

Gartenthymian

Thymian enthält neben dem Ätherischen Öl noch allerlei andere wirksame Inhaltsstoffe. 

Flavonoide werden über den Darm in den Körper aufgenommen, gelangen in den Blutkreislauf und wirken systemisch entzündungshemmend und antioxidativ. 

Gerbstoffe wirken lokal entzündungshemmend und schützend an infizierten Schleimhäuten. 

Bitterstoffe wirken auch lokal im Verdauungstrakt. Sie sorgen für eine Anregung der Speichel- und Magensaftsekretion. Thymiankraut kann bei Verdauungsstörungen und Appetitlosigkeit helfen.

Die enthaltenen Triterpene Ursolsäure und Oleanolsäure wirken der Entstehung von Krebs entgegen. Außerdem sind sie beide entzündunghemmend.

Anwendungen von Thymian

Thymiankraut

Nach all den Informationen fragt man sich nun, wie man Thymian richtig anwendet. Gehen wird mal die verschiedenen Möglichkeiten durch!

Das Ätherische Öl, haben wir bereits gehört, ist in reiner Form sehr aggressiv. Es können damit jedoch gut verträgliche Salben, Cremes, Mundwässer und Sirupe hergestellt werden. Ein Minus dieser Anwendungen: Die Wirkung der Flavonoide, Gerbstoffe, Triterpene und Bitterstoffe fällt weg. 

Um alle wirksamen Stoffe in einer Zubereitung zu vereinen, empfiehlt es sich, ein 70%-iges wässrig-alkoholisches Extrakt herzustellen. Wie genau man das macht, erklären wir hier. Dieses Extrakt kann man dann entweder pur anwenden (1 bis 2 Teelöffel, 3 bis 4 Mal am Tag) oder wie das reine Ätherische Öl zu Salben, Cremes, Mundwässern oder Sirupen verarbeiten. Minus: Alkohol ist nichts für Kinder, Lebergeschädigte und Alkoholiker. 

Eine gängige Anwendungsweise von Thymian ist auch der Tee. Man nimmt dafür 1-2 Gramm Kraut (Blätter und Blüten) und gießt heißes Wasser darüber. Getrunken wird 3 bis 4 Mal am Tag. Minus: Bei Temperaturen über 40 Grad Celsius verdampfen Ätherisch-Öl-Komponenten leider. Wieviel davon noch im Tee übrig ist, bleibt fraglich. Die Wirkung wird großteils durch Flavonoide, Gerbstoffe und Bitterstoffe vermittelt. 

Das war’s für heute mit dem Thymian. Bleibt gesund und falls ihr Fragen oder etwas zum Anmerken habt, nutzt die Kommentar-Box 🙂 .

♥ Oktokussi ♥

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2 Comments
  1. Sehr interessanter Artikel. Ich habe angefangen, Thymiantee gegen Bronchitis zu trinken und jetzt kann ich nicht aufhören. Ich liebe den Geruch und Geschmack.
    Heisst du Oktokussi oder Oktotussi?
    LG Gerlinde

    1. Uuu, sorry die späte Antwort 🙂 Freit mi, dass den Artikel spannend gfunden hast :)) Haha, prophylaktische Therapie ;)) I heiß Oktotussi, aber ende meine Artikel mit OktoKUSSI, alla ein Kuss von der Oktotussi.. 🙂

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